Spirituosen mit Anis im Überblick: Pastis, Pernod & Absinth

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe über Anisschnäpse wenden wir uns den französischen Varianten der Gewürzspirituosen zu. Die Anisliköre unterscheiden sich nicht nur in den leicht abgewandelten Rezepturen, sondern auch in der Zubereitung. 

Pastis

Pastis ist sozusagen als Ersatz-Absinth entstanden, welcher in den 1920er Jahren in Frankreich verboten wurde. Die dem Absinth ähnlichen Geschmackskomponenten des Pastis machten den Likör zu einer legitimen Alternative des Absinth-Genusses. Pastis wird durch die Mazeration verschiedener Kräuter und Gewürze in Neutralalkohol gewonnen. Darunter fallen Anis, Sternanis (Foto), Fenchel, Süßholzwurzel, Pfeffer, Kardamom sowie Salbei. Der Alkoholgehalt beträgt meistens 45 Volumenprozent und wird für den Verzehr mit 5 Teilen Wasser auf einen Teil Pastis gemischt, der dabei entstehende „Louche-Effekt“ ist typisch für Anisée bzw. Anisspirituosen und entsteht beim Passats durch die ätherischen Öle, welche durch die Verdünnung unlöslich werden.

Pernod

Der Pernod ist der gleichnamige Likör zur Marke, welche unter anderem auch Pastis herstellt und vertreibt. Der Pernod ist dem Pastis ähnlich, wird aber anders hergestellt. Der größte Unterschied liegt dabei in der Aromatisierung der Liköre; der Pernod wird mit destillierten Kräuteressenzen vermischt, während der Pastis durch Mazeration seine typischen Aromen erhält. Die destillierten Kräuteressenzen werden einem dreifach destillierten Alkohol hinzugefügt und bestehen neben der Anisessenz unter anderem auch aus Essenzen des Korianders, Fenchel sowie Minzessenz. Auch der Pernod besitzt den „Louche-Effekt“, wird ebenfalls mit Wasser für den Verzehr verdünnt und hat einen Alkoholgehalt von ca. 40 Volumenprozent.

Absinth

Die sagenumwobenste Variante der in dieser Beitragsreihe vorgestellten Anisspirituosen kommt ursprünglich aus der Schweiz. Als Heilmittel intendiert, hat sich die Mixtur aus Wermut, Anis und  Fenchel schnell zu einem gefährlichen Laster der Gesellschaft entwickelt und wurde in den 1920er Jahren fast überall auf der Welt verboten. Der hohe Alkoholgehalt von teilweise bis zu 85 Volumenprozent dürfte daran schuld tragen, welcher das hohe Abhängigkeitspotenzial sowie die Halluzinationen begünstigte. Heutzutage ist der Anislikör wieder in den meisten Ländern erhältlich und wird auch mit geringerem Alkoholgehalt vertrieben. Die geschmacksgebenden Kräuter des Absinths werden in Wein- oder Neutralalkohol mazeriert und anschließend mehrfach destilliert, um die starken Bitterstoffe aus dem Endprodukt zu bekommen. Die Färbung erhält hochwertiger Absinth durch Pontischen Wermut, Ysop oder auch Melisse und verlangt ein hohes Maß an Können. Minderwertiger Absinth wird daher meist mit Lebensmittelfarbe eingefärbt und auch nicht durch Mazeration hergestellt, sondern durch die Zugabe von Absinthessenz in Neutralalkohol. Auch der Absinth wird klassischer Weise niemals pur, sondern mit Wasser verdünnt getrunken und besitzt ebenfalls den „Louche-Effekt“.