Spirituosen aus Wurzeln

Niedrige Temperaturen machen sich in Deutschland breit, die Tage werden schon seit längerem spürbar kürzer und das Bedürfnis nach Wärme, Gemütlichkeit und Kaminfeuer wächst — der Winter schreitet mit großen Schritten voran. Der Appetit nach warmen sowie würzigen Getränken wird geweckt und genau da wollen wir mit unseren Beiträgen anknüpfen. Diese Woche dreht sich alles um Spirituosen aus Wurzeln, welche wir mit einem passenden Cocktailrezept am Ende dieser Woche abschließen.

Bärwurz

Der Bärwurz ist einer der bekannteren Schnäpse aus Wurzeln und wird aus der gleichnamigen Pflanze hergestellt. Die Bärwurz (im Gegensatz zum Maskulinum des Schnapses) ist ein ausdauernder Doldenblütler, welcher dem Fenchel ähnelt. Nicht zuletzt daher kommt auch der Name Apfelfenchel für das Kraut. Die Wurzel der Pflanze wird für die Gewinnung der gleichnamigen Spirituose verwendet und muss mehrere Jahre heranwachsen, bevor Sie reif für die Verarbeitung zu Spirituose ist.

In der Regel wird die geerntete Wurzel in Mazeriergefäßen gelagert, bevor Sie mit Neutralalkohol extrahiert wird und nach erneuter Lagerung von wenigen Stunden bis Tagen destilliert wird.

Das Destillat wird dann entweder für kurze Zeit in Stahlfässern oder für mehrere Monate in Eichenfässern gelagert. Traditioneller Weise werden Bär- oder Blutwurz in Keramikflaschen abgefüllt.

Blutwurz

Der Blutwurz ist ein Kräuterschnaps aus der gleichnamigen Pflanze, welche viele weitere Namen trägt: Rotwurz, Tormentil, Siebenfinger oder Natterwurz sind nur wenige davon. Die Pflanze gehört zur Familie der Rosengewächse und hat den Namen Blutwurz dem an Schnittstellen rot anlaufenden Rhizom zu verdanken. Ein ausdauerndes Kraut, welches am Besten in mäßig saurem Boden gedeiht und daher meist in Heiden, Mischwäldern oder Niedermooren wächst.

Die Herstellung des Schnapses verläuft ähnlich wie die des Bärwurzes. Auch hier wird mazeriert, extrahiert, destilliert und gelagert.

Enzian

Das Rhizom der gelben Enziane wird als Grundstoff der Spirituose verwendet. Die Pflanze wächst wild in den sogenannten Kalkalpen heran, die Ernte der Wildpflanzen ist streng reglementiert und auch die Wachstumsorte werden, aufgrund der hohen Verwechslungsgefahr mit dem überaus giftigen Germer, geheim gehalten. In der Regel werden speziell für die Spirituosenherstellung kultivierte Pflanzen verwendet, dafür eignet sich der gelbe Enzian am besten: Das Rhizom des gelben Enzians ist größer und ertragreicher, hält aber auch die meisten Bitterstoffe bereit.

Die Spirituose ist ein Wurzelbrand, welcher ein Destillat aus Wurzelmaische ist. Es werden ihm heilende Kräfte nachgesagt, die sich von antiseptischen über verdauungsfördernde bis hin zu entzündungshemmenden Eigenschaften erstrecken. Wissenschaftliche Nachweise bleiben bisher aus, die Anekdoten über die heilenden Kräfte des Wurzelbrandes gibt es aber seit Jahrhunderten zu Hauf.

Die Spirituose aus Enzian wird seit Jahrhunderten hergestellt und erfreut sich bis heute an großer Beliebtheit.